Montag, 19. Februar 2018

Unterwegs mit dem Fahrrad

An unserer Straße. Februar 2016.








Irgendwie hat es mich ja gestern doch noch gereizt was zum Fahrradfahren zu schreiben, obwohl gerade noch nicht wieder die Zeit ist und mein Fahrrad noch im Winterschlaf... Dann los, ich erzähle euch ein bisschen über mein und unser Fahrradfahren und bebildere das mit Radfahr-Bildern aus dem Jahr 2016, ein Jahr lang rund um meinen Sommerlebensmittelpunkt in unserem Naturpark Dahme-Heideseen. Nur im Sommer habe ich keine Bilder dazu, da war irgendwie gerade nix mit Radfahren...




 
An unserem See. Februar 2016.








Mein erstes Fahrrad bekam ich mit knapp 8 Jahren und lernte auf dem Bürgersteig vor dem Haus Rad fahren. Im nächsten Schuljahr durfte ich damit auch in den Nachbarort zur Schule fahren, sofern es nicht mal wieder "einen Platten" hatte... Mein Leben lang habe ich es nicht gelernt einen Reifen selber zu flicken... Meine Arbeit im Werkenunterricht, in der wir eine Reifenreparatur beschreiben sollten, las der Lehrer vor und das löste in der Klasse Lachsalven aus... Mein Sohn ist begeisterter Fahrrad-Flicker und -Restaurator. Also von mir hat er das nicht... Und auch der Gefährte, in den 70ern mit Studienkollegen von Thüringen bis Rumänien mit dem Rad gefahren (ohne Gangschaltung...), ist mit allen Fahrrad-Reparatur-Wassern gewaschen...





Wolziger See im Nachbarort.


Lesen am Wolziger See Ende März 2016



Mit dem Fahrrad besuchte ich meine im Nachbarort wohnenden Freundinnen, gemeinsam machten wir Erkundungsfahrten durch den Ort, über die Heiden, in die Wälder. Später gelegentlich auch mit meiner Schwester. Meine Eltern habe ich nie Fahrrad fahren gesehen...






Im Dorf. Altes Lehnschulzenhaus. Lost Place. Anfang April 2016.



Mein Fahrrad wurde schließlich vom Grundstück weg gestohlen, ich bekam mit 16 ein Moped, und wir kauften uns erst wieder Fahrräder, als wir 1984 als junge Familie nach Prieros zogen und mit den Kindern am Wochenende die neue Umgebung erkundeten, durch Wälder, rund um Seen... Der Jüngste saß in seinem Fahrradkörbchen vor meinem Lenker, die Zweitjüngste auf einem Fahradsattel auf Papas Fahrradstange, die Älteste fuhr selber. Später fuhren die drei Geschwister allein los, mit dem Rad in den Wald. Irgendwo gibt es von einer solchen Geschwistertour noch Fotos...






Fahrt zum Restaurant Waldhaus am Streganzsee.
Am Streganzsee. Anfang April 2016.







Als wir als Familie in unserem letzten gemeinsamen Urlaub 1985 in den Masuren unterwegs waren, hatten wir die Räder mit und zogen manche Schleife durch Wälder und entlang der Gewässer. Eines Morgens waren die zwei neuen der fünf Räder weg, sorgsam herausgeschnippelt aus dem Riesenschloss, mit dem wir sie abends einwickelten. Profis am Werk, wir merkten nichts, obwohl wir unmittelbar daneben im Campingwagen schliefen... Meiner Liebe zu Polens Städten, Landschaften und Dichtung hat es keinen Abbruch getan.





Rast während einer Radtour zum Groß Schauener See. (Sielmanns Naturlandschaft)
Groß Schauener See. Vogelparadies.




Vor 10 Jahren bekam ich ein neues Fahrrad, das seither viel in Betrieb ist, jedenfalls von Frühjahr bis Herbst. Ohne Auto erledige ich damit alle Einkäufe "im Dorfkonsum" und fahre damit zum Start- und Zielpunkt meiner "Poetischen Spaziergänge", sofern der weiter als einen halbstündigen Fußmarsch entfernt liegt. Am Wochenende kommen gelegentliche Radtouren zu zweit rund um den See oder in die umliegenden Heiden dazu. 






Oft fahre ich mit Pflanzen und allerhand anderem in der Gepäcktasche zum Schulgarten Prieros.
Im Schulgarten. Es ist Mai 2016 und endlich frostfrei.




Ich bin ja am liebsten zu Fuß unterwegs, besonders wenn ich im "Wahrnehmungsmodus" unterwegs sein möchte. Aber manchmal ist es sinnvoll, Distanzen erst mal mit dem Rad zu überwinden und sich dann zu Fuß fürs Erkunden und Aufnehmen des Ziels eine Weile Zeit zu nehmen... Wenn ich mir was wünschen dürfte, wäre es, dass ich/wir dieses Jahr wieder sehr viel öfter dazu kommen...






Auf sandigen Wegen durch den Wald. Ende Oktober 2016.
Baumwipfelblick am Badestrand.




Wenn es klappt und wir uns die Zeit wirklich nehmen, wollen wir dieses Jahr auf dem Mauerweg rund um Berlin radeln... Auch eine Radtour entlang der Unteren Elbe gehört noch zu meinen Träumen... Oder entlang der Oder... Hach ja, Radfahren ist schön... Nur Zufußgehen ist - für eine umfassende Wahrnehmung mit allen Sinnen - noch schöner ;-). Wenn ich alleine per Rad unterwegs bin, kann ich - wann immer ich will - anhalten. Zuzweit unterwegs enteilt mir dann manchmal der Gefährte und schaut sich gar nicht um ;-).





Auf unserer Straße auf dem Weg ins Dorf. Anfang Dezember 2016.
Sonne über der Feuerwehr. Gegenüber ist der Briefkasten, zu dem ich mit meiner Post radle. Mitte Dezember 2016.
Einer meiner letzten "Schultage" mit Aussicht auf die Morgensonne. Ein paar Minuten nur radelte ich mit meinem "Zeug" zur Grundschule. Kurz vor den Weihnachtsferien 2016.



Bei Emma: Tell a story - Mit dem Fahrrad
Montagsfreuden

Samstag, 17. Februar 2018

Meine Woche 2018 - 07



Das Lerchenlied
Der Tag bringt seine Sorgen,
mich lässt es unbeschwert,
das macht, ich hab am Morgen
die Lerchen singen gehört.

Nun geh ich durch die Menge,
geh ruhig und mit Lust,
weiß keiner, was für Klänge
ich trag in meiner Brust.

Es klang so süß und labend,
rief Mut und Hoffen wach.
Den Tag lang bis zum Abend
klingt's mir im Herzen nach. 

Johannes Trojan















Bei Andreas Aufgabe zur Eye Poetry musste ich an unsere Radtouren auf Hiddensee denken, im Mai 2015, stundenlang begleitet von jubelndem Lerchengesang... Und letztlich waren es die Februar-Aufgaben vom Mustermittwoch und der Papierliebe, Kleingemustertes und Gesichter, die die zündende Idee brachten, meine Erinnerung zu Papier zu bringen, auf eine neue 15fünfzehn-Collage, und noch mal rückblickend zu schwelgen. Ja, hören kann man die Lerche nicht, aber die Stimmung, die über diesen Tagen lag, über dem seidig-türkisen Meer, das am Horizont mit dem blauen Himmel verschwamm, unser ruhiges Fahrradrollen hinterm Deich, an dessen Zugängen wir durch den Sanddorn hindurch auf Strand und Meer schauen konnten..., all das finde ich auf meiner Collage wieder, und ich, ich kann sogar die Lerchen hören... Eine löste die andere am Himmel ab, ein ständiger Frühlingsjubel, wer könnte da nicht einstimmen...































Was die 7. Woche sonst noch so bereit hielt? Japanisch, Putzen, Räumen, Erinnern... Immer wieder mal Sonne, herrlich...






Sonntags: Hausaufgaben.

Montags. Nein, bei mir im Wald blühen die Schneeglöckchen noch nicht.























Aber das Trompeten der Kraniche war schon am Himmel zu hören...









Zu Haus bei  mir im Wald habe ich nach meinem Behördentermin am Montagmorgen dann bis zum frühen Nachmittag fleißig alte Unterlagen geräumt und in die Recyclingtonne gesteckt, eine ganze Tonne voller Berufsleben, und es ist noch lange nicht alles... Aber man findet auch so dies und das, was noch nicht in die Tonne gehört...



Dienstags in Cottbus. Zarte Schneelandschaft, später mit Sonne... Um ehrlich zu sein, habe ich vom ganzen Faschings-, Fastnachts- und Karnevaltrubel kaum was mitbekommen. Ist nicht so meins. Wäre da nicht eine WhatsApp-Gruppe mit Kölnern und anderen Fastnachtsfreudigen, wäre es völlig an mir vorbeigegangen. In den Brandenburger Nachrichten hörte ich am Montag, dass der kürzeste Karnevalszug in Schlepzig stattfindet, 500 m ist er lang ;-).




 



Und noch mal Japanisch... Montagabend lernen, Dienstagabend Kurs. Wir haben zwei Semester aufgeholt und sind nun den anderen im Kurs - fast - ebenbürtig, jedenfalls machen wir nun gemeinsam im Buch weiter, unsere Lehrerin hat uns ja auch ganz schön herangescheucht... Aber alltagstauglich ist das alles noch lange nicht... Doch ein gutes Gefühl ist es schon, wenn man im Kurs nach viel Lernen und Lesen und Schreiben dann doch mal den Eindruck hat, man kann schon besser mithalten...









Aschermittwoch dann mit der Bahn retour, lesen, aber vor allem in die wunderbar frostigsonnige Landschaft schauen...




Die dekorative Wolke kommt leider aus einem Industrieschornstein...



Hübsch altes und erhaltenes Wartehäuschen auf dem Bf. Dresden-Neustadt (und in Betrieb! Wo erlebt man das noch...)







Die letzten beiden Tage gehörten dann einigen Büro- und Haushaltspflichten, aber ihr seht ja, auch meinen Beitrag zur Eye Poetry habe ich fertig gemacht, einen "Theater-Post" geschrieben und an meinem Gesichterbuch weitergearbeitet. Morgens nach dem nun gerade wieder einsamen Frühstück lese und meditiere ich nun immer ein bisschen in und über meinem diesjährigen Fastenkalender... Tut gut. Und Freitagabend kommt der Gefährte.














Gefreut habe ich mich über die Postkartenaktion dieser Bloggerin... Und Deniz Yücel kommt - nach einem Jahr! - endlich wieder frei... 


Habt ein schönes Wochenende.
 
Samstagsplausch
Eye Poetry 
In heaven
Kleingemustertes
Gesichter
15fünfzehn
Gartenglück
Bunt ist die Welt 

Freitag, 16. Februar 2018

15 (+1) Fakten über Theater und mich...

Das Freiberger Theater vom Buttermarkt aus gesehen, mit denkmalgeschützter Inschrift aus der Brechtzeit.








Letztes Jahr
um diese Zeit war ich doch bei einer "Hinter-den-Kulissen-Führung" des Freiberger Theaters..., da kommen mir die immer noch nicht veröffentlichten Bilder doch jetzt gerade recht, um meine "Theaterbiografie" für Astrids Reihe ein bisschen Revue passieren zu lassen und passend zu illustrieren... Was Musik(theater) angeht, konntet ihr hier schon etwas lesen...
Das Freiberger Theater gilt übrigens als das älteste von einer Stadt bis heute aktiv betriebende Theater der Welt. Zunächst mit fahrenden Schauspielern auf dem davor gelegenen Buttermarkt betrieben - unter anderen spielte hier Caroline Neuber, die "Neuberin", wird Ende des 18. Jahrhunderts von der Stadt übernommen und schließlich zu einem Theater mit Saal. 









1. Ich habe es schon als Kind geliebt selber sprechend vor Publikum zu stehen, vorzulesen, zu rezitieren... Davon ist in meinen poetischen Jahreszeitenabenden noch ein bisschen übrig geblieben... Meine älteste Rolle war in der 2. Klasse mein Auftritt als Rattenfänger von Hameln, mit Flöte natürlich und einem Netz voller grauer Samtpapierratten auf dem Rücken, vom Vater gebastelt...





Torte und Brot - Märchenrequisiten, zum Anbeißen, aber doch nicht essbar, höchstens zum Zähneausbeißen...
 


2. Meine erste Theaterrolle war mit 15 die nicht ganz so nette Ehefrau in Hans Sachs' "Der tote Mann"... Unsere Deutschlehrerin spielte nämlich mit uns Theater in einer AG.


3. Ein halbes Schuljahr später war ich die "Frau Flinz" in Helmut Baierls gleichnamiger "dialektischer" Komödie. 


4. Im folgenden Schuljahr folgte die Hauptrolle in Bertolt Brechts "Die Gewehre der Frau Carrar"


5. Und schließlich "Die Mutter" von Brecht (nach Gorki, nicht zu verwechseln mit Mutter Courage)



Hinterm Bühnenvorhang - Beleuchtung










6.
Ich habe in diesen Jahren die mir übertragenen Schauspielrollen mit Hingebung und Leidenschaft gespielt... Ich liebte es in die Gesichter des Publikums zu schauen und zu fühlen, dass dort was ankam von unserem Spiel... Trotz 4 und 5 bin ich bekennende Pazifistin geworden. Aber irgendwo in meinem Herzen steckt auch die Revolutionärin ;-)





Orchestergraben.
 




7. Während der Schulzeit war ich mehrere Jahre für das Theater-Abonnements der Klasse zuständig und organisierte unsere manchmal fast monatlichen Fahrten nach Berlin, zunächst ins Kinder- und Jugend-Theater der Freundschaft, später z. B. ins Maxim-Gorki-Theater, die Kammerspiele, das Deutsche Theater und - natürlich - ins Berliner Ensemble. Berühmte Schauspieler-Größen der DDR, wie Dieter Mann, Eberhard Esche, Eckehard Schall habe ich so selbst erleben dürfen... Aber nun fragt mich nicht nach all den Stücken... Ich sehe Gesichter, höre Sprechen, sehe ganze Szenen, ohne sie zuordnen zu können... Auf jeden Fall war Brecht auch hier dabei, und Heiner Müller, Jewgeni Schwarz und... und...




Mal unter die Drehbühne geschaut.
 






8. All das Erlebte führte zum zeitweiligen Wunsch Schauspielerin zu werden. Der Vater empfahl mir eher Theaterwissenschaften und es gab eine Zeit, da das Wort meines Vaters für mich Gesetz war. Mein Versuch unter über 90 Bewerbern einen der sechs Studienplätze zu ergattern, schlug natürlich fehl und ich landete bei der Philosophie mit Spezialisierung Kulturwissenschaften. Die wurde aber dann eigener Studiengang... Also schwenkte ich, der stetigen marxistischen Rückwärtsinterpretationen großer alter Philosophen müde, zur Theologie. Aber nur einmal stand ich prüfungshalber auf einer Kanzel und schwenkte dann doch wieder mal beruflich um, wie noch öfter im Leben... 




Im Kulissenlager, wo auch die überdimensionierten Requisiten gelagert werden, wie dieser Vogel.




9. Während meiner Verlagsarbeit an Kathes Preußischer Kulturgeschichte hatte ich auch wieder mit Theater zu tun und war auf der Suche nach Illustrationen, und nachhaltig hat mich da das Bild der von Schinkel entworfenen Kulisse für Mozarts Zauberflöte beeindruckt. Ich vergesse ja (zum Glück?) viel in unserer an äußeren Reizen so überreichen Zeit, am meisten merke ich mir Bilder, zudem welche mit Atmosphäre, und das steht ganz klar vor mir.





In der Theaterwerkstatt mit Malsaal und Kulissenbauerei.







10. Aber überhaupt ganz egal, was ich für verschiedene berufliche Rollen ausgefüllt habe, die in meinen kleinen Auftritten und Schauspielereien trainierte Gabe etwas überzeugend, mit Emphase oder was sonst so angebracht war, auszudrücken und vernehmbar zu sprechen, hat mir nicht geschadet... ;-)





Sieht in diesen Tagen fast ein bisschen wie Karneval aus... ;-)









11. In den Zeiten, in denen ich beruflich und familiär kaum Zeit und Gelegenheit hatte ein Theater aufzusuchen, in den 70er und 80er Jahren, habe ich auch Theaterstücke einfach gelesen. Die Stimmen und Bilder entstanden in meinem Kopf. Vor allem Dramatiker aus Ost- und Westdeutschland und zeitgenössische russische... An die "alten" wie Goethe, Schiller, Shakespeare komme ich nun auch langsam wieder heran, durch das Interesse des Gefährten... Zu meinen Büchern gehört ein ganzes Regalfach mit Theaterstücken... 





In der Maskenbildnerei.



 

12. Nach der Wende wollte ich unbedingt Oskar Maria Brandauer live sehen, es ergab sich im Berliner Ensemble: Der zerbrochene Krug von Kleist. Der Abend war eine Enttäuschung, ob er seine Rolle nicht konnte oder sonst was war, jedenfalls nuschelte er sich nur so lustlos durch das Stück. Aber die Rolle, wegen der ich ihn verehrte, war die des Mephisto in dem gleichnamigen - u. a. in DEFA-Studios gedrehten - Film von Istvan Szabo nach Klaus Mann. Und das Erlebnis bleibt mir ja, trotz der Enttäuschung...




 
In der Kostümschneiderei.















13
. Jedes Jahr mindestens u. a. ein Sinfonie-Konzert, ein Theaterstück und eine Operninszenierung zu besuchen, dieses Vorhaben verfolge ich seit 2000 wieder sehr viel stärker. Da wurde mir endgültig bewusst, dass mein "MichAufgeben" in Pflichten, Erwartungen und Hilfsbereitschaft ein Ende haben musste, wollte ich nicht kaputt gehen... Meine Kinder brauchten meine Rundumanwesenheit zu diesem Zeitpunkt auch nicht mehr.



















14. Während intensiver Zeiten ehrenamtlichen Engagements in der Gemeinde spielten wir in der zweiten Hälfte der 80er, unter der Beteiligung fast der ganzen Familie und Bekannten aus unserer damaligen DDR-CDU-Ortsgruppe (die sich zur Wende auflöste, Kohlsches Theater wollten wir nicht mitspielen...), zu Volksfesten anlässlich des 1. Mai und 7. Oktober im Ort Märchen für die Kinder... In Rapunzel spielte ich das gleichnamige Mädchen (in einem Puppenspiel, da konnte meine junggebliebene Stimme das eigentlich erreichte Alter noch kaschieren...). Der kleine Raum war überfüllt und wir spielten zweimal... 





Im Orchesterprobensaal hoch oben unterm Dach.






15. Im Folgejahr ließen wir uns wegen des großen Andrangs darauf ein, Schneewittchen als richtiges Stück zu spielen... Da blieb mir nun "nur" die Rolle der bösen Stiefmutter... War wohl überzeugend ;-). Auch da, im größeren Eingangsbereich eines inzwischen abgerissenen Barackengebäudes der alten Schule, mussten wir zweimal ran, um alle Kinder samt Eltern zu beglücken...





 
Das Dach von der Theaterwerkstatt ist begehbar, bei Festen z. B. Es überdacht den ehemaligen "Hof" des von vier Gassen umgebenen Theatergebäude-Komplexes.










16. Als ich vor einigen Jahren als Dozentin in der Erzieherausbildung arbeitete, spielten wir auch Theater... Und erkundeten die Möglichkeiten dieser genuin menschlichen Ausdrucksform mit einer Adaption des Märchens "Die Prinzessin aus der Walnuss". In mehrere Gruppen aufgeteilt brachten die Studierenden die selbst geschriebenen Szenen als Schattenspiel, Papiertheater, Figurentheater und "richtig" auf die Bühne. Eine tolle kreative Leistung... Und ich erinnere mich auch gern an die Aufführungen des Jugendtheaterbüros Berlin der Initiative Grenzenlos e. V. zum "Festiwalla", an denen einige meiner Studierenden regelmäßig beteiligt waren und sind. Saira und Asma z. B. spielen hinreißend, schreiben zum Teil ihre Stücke selbst und führen Regie. Und machen damit Politik. Das geht gut mit Theater. 




So, das war's von mir und dem Theater erst mal. Wer noch mehr mag, nachfolgender Text ergänzt noch Einiges zum Freiberger Theater und zu den gezeigten Bildern... Ich finde das ja so spannend, was hinter, unter, über der Bühne passiert und passieren muss, bevor und während da wirklich ein Stück gespielt wird.... Ein tolles Räderwerk.

Und wie das manchmal so ist beim Bloggen, ein Text liegt fertig im Speicher, aber die Bilder sind nicht sortiert..., seit einem Jahr. Nun, dank Astrid, war die Zeit heran... Und warum sollte ich den Text löschen... Ist ja auch für mich Erinnerung, die so wieder greifbarer wird...





 





Nach einer Erweiterung des Freiberger Theaters, bei der man den Eingang weiter nach vorne auf den Buttermarkt verschiebt, beginnt in den 80ern des vergangenen Jahrhunderts ein umfangreicher Umbau. Das gesamte Häusergeviert zwischen Borngasse, Enger Gasse, Weingasse und Burgstraße wird einbezogen, was dem Theater ermöglicht, seine Theaterwerkstätten, eine zusätzliche kleine Bühne, den Orchesterprobensaal u. a. gleich nahebei zu haben, u. a., in dem man in den Hof innerhalb des Gevierts eine Decke einzieht, unter der heute u. a. der Malsaal liegt, mit Oberlicht, und auf der kleine Theaterfeste stattfinden können.


Anfang Februar 2017 nahm ich mit rund 20 anderen Teilnehmer*innen an einer Führung teil, zwei Stunden lang, kurzweilig gestaltet von einer schon dienstälteren und daher sehr gut informierten Mitarbeiterin. Mit dem unfassbar geringen Einsatz von 5,00 € war ich dabei...

Das Theater hat 316 Plätze (Parkett und 2 Ränge) und eine kleine Bühne "bib", und die Freiberger bespielen auch die ebensogroße Bühne in Döbeln. Alle Inszenierungen werden so gestaltet, dass sie ohne allzu großen Aufwand in beiden Theatern aufgeführt werden können. Das heißt, dass alle Kulissen in beiden Häusern passen und zwischen den einzelnen Aufführungen verladen und hin- und her transportiert werden müssen. Ein ausgeklügeltes System von Lagerhaltung mit Nischen für die einzelnen Produktionen, eigens gebauten Transportboxen und eingespieltem Team ist vonnöten, damit nichts fehlt, durcheinanderkommt oder gar verlustig geht... So hat das Theater eine Extra-Laderampe. Übrigens auch die Seebühne Kriebstein wird vom Freiberger Theater bespielt.





Dem Theater gegenüber steht die Nikolaikirche, heute Konzert- und Veranstaltungssaal.







In einer Theatersaison gibt es monatlich eine Premiere, in drei Wochen wird inszeniert, gebaut, gemalt, genäht, probiert, in der letzten Woche alles zusammen geführt, neben all den Aufführungen, die ohnehin im gut ausgelasteten Plan stehen. Das Theater erreicht eine durchschnittliche Auslastung von 75 %. Der für das jeweilige Stück verpflichtete Ausstatter arbeitet nach seinem Gesamtkonzept für Bühnenbild, Requisite und Kostüme mit den verschiedenen Werkstätten zusammen: Kulissenbau, Requisite und Malsaal, Kostümschneiderei und Maskenbildnerei. 


Jede/r Schauspieler*in hat oder bekommt einen "Gipskopf", nach dem die Perücken und Masken angefertigt werden können, ohne dass der Schauspieler dauernd zur Anprobe muss. An einer Echthaarperücke arbeitet eine/r der Maskenbildner*innen je nach Aufwand 40 - 80 Stunden. 







Nach einem genau festgelegten Zeitplan kommen die Schauspieler*innen vor den Vorstellungen zur Ankleide und zur Maske, es gibt keine Einzelgarderoben. Auch die Kostümbildner*innen werden für jedes Stück extra als Gast ans Haus verpflichtet, da gibt es ja auch ganz verschiedene Handschriften und eine entsprechende Vielfalt. Zunächst werden sogenannte Figurinen gezeichnet, Schnitte angefertigt - auf die entsprechenden Figuren der Schauspieler - und dann - nach Beschaffung der Stoffe - geschneidert. 

Dabei muss vorher klar sein, was in einem Kostüm auf der Bühne passieren soll, was es aushalten soll, ob und wie oft es während einer Vorstellung gewechselt werden soll. Z. B. braucht ein Kleid eine Tasche, wenn in einer Regieanweisung steht, dass etwas aus derselben herausgezogen werden soll... Auch die Abstimmung zwischen Kostümbildnerei und Requisite ist wichtig, damit die Gesamtinszenierung stimmig wir



Die Schauspieler*innen werden je nach Stückplanung verpflichtet, werden zum Vorsprechen eingeladen, ausgewählt und sind - mit verlängerbaren Jahresverträgen - dann in der Regel 1 - 2 Jahre am Theater, bevor sie weiterziehen (müssen). Tolles Künstlerleben? Naja, mit Familie und Kindern nicht so einfach.


Das Orchester hat 40 Musiker und spielt neben den Theateraufführungen pro Saison 8 Sinfoniekonzerte mit Solisten aus aller Welt. Eins durfte ich neulich erleben. Während es zu den Theateraufführungen im stickigen Orchestergraben aushalten muss, ist der Probenraum im Theatergebäude komfortabler. Hier finden die  Orchesterproben statt, hier werden mit einem Korrepetitor am Flügel die Rollen der Musiktheaterstücke gelernt und auch die sogenannten Sitzproben mit Chor und Orchester, bevor es dann mit den Sänger*innen auf die Bühne geht. 


Theater bei Astrid
Freutag